Der Salzpfad

Im Folgenden finden sich meine liebsten Abschnitte des Buchs.

[…] an mein Zuhause denken, ohne die Angst davor, es zu verlieren.

„Haben wir einen Plan?“
„Natürlich, wir wandern, bis wir aufhören zu wandern, und vielleicht finden wir unterwegs so etwas wie eine Zukunft.“
„Das ist ein guter Plan.“

Meine Gedanken drifteten ab, brachten sich in Sicherheit.

Was vor uns lag? Der Weg, nur der Weg.

Obdachlos, todkrank, verschwitzt und dehydriert, aber in diesem Augenblick auf merkwürdige, schüchterne, zögernde Weise glücklich. Glückspilze.

Die Wanderung führte nicht wie erwartet dazu, dass wir unsere Gedanken ordneten und Pläne schmiedeten, sondern war zu etwas Meditativen geworden; da war eine geistige Leere, angefüllt mit dem salzigen Wind, mit Staub und Licht. Jeder Schritt hatte seinen eigenen Nachhall, seinen Moment der Kraft oder des Versagens. Dieser Schritt, und der nächste und der nächste und wieder der nächste, war ein Grund weiterzumachen, war eine Verheißung auf eine Zukunft. Jedes Tal, aus dem wir wieder aufstiegen, war ein Sieg, jeder Tag, den wir überstanden hatten, ein Grund, auch noch den kommenden zu überstehen. Mit jedem Atemzug verpasste die salzige Luft unseren Erinnerungen eine Art Peeling, glättete die Kanten, machte sie mürbe.

Am Ende verstand ich, was die Obdachlosigkeit für mich getan hatte. Sie hatte mir alle materiellen Dinge genommen und mir nur das nackte Leben gelassen, mich in eine leere Seite in einem noch nicht zu Ende geschriebenen Buch verwandelt. Und sie hatte mich vor die Wahl gestellt, diese Seite entweder leer zu lassen oder der Geschichte eine hoffnungsvolle Wendung zu geben. Ich wählte die Hoffnung.


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